Wenn wir einen neuen Google-Ads-Account übernehmen, passiert fast immer das Gleiche: die Kampagnen-Struktur sieht aus wie ein Einkaufszettel, der zweimal durch die Waschmaschine gegangen ist. 14 Kampagnen, 80 Anzeigengruppen, 600 Keywords, davon 400 als „Broad Match". Das Tagesbudget wird brav verbrannt, aber niemand weiß genau, warum.
Der häufigste strukturelle Fehler: Kampagnen sind zu breit aufgestellt. Sie versuchen, alles gleichzeitig zu bedienen, und verlieren dabei die Hebel, die Google Ads überhaupt profitabel machen.
Das Symptom: das „Wir-wollen-mehr-Leads"-Setup
So sieht es typischerweise aus: Eine Kampagne heißt „Leads" oder „Generisch". Darin sind Anzeigengruppen für „Service A", „Service B", „Service C". Jede Gruppe hat 15–40 Keywords, gemischt aus exakten, Phrasen- und Broad-Match-Varianten. Eine einzige Landingpage (die Startseite) fängt den ganzen Traffic auf.
Warum das nicht funktioniert:
- Broad Match ohne Signale ist in 2026 teurer Blindflug. Google interpretiert die Intention basierend auf dem, was die Kampagne bereits konvertiert — und wenn die Kampagne noch nichts konvertiert hat, interpretiert Google generisch.
- Eine Landingpage für alle Services verwässert den Quality Score, weil Google zwischen „passende Seite zur Anfrage" und „Allzweck-Homepage" unterscheidet.
- Budget-Konkurrenz in derselben Kampagne: wenn Service A heute gut performt, zieht er Budget von Service B ab — unabhängig davon, was Sie für Q2 eigentlich wollen.
Der Fokus-Hebel: eine Kampagne = eine Intention
Unsere Standard-Struktur bei B2B-Dienstleistern:
- Kampagne pro Service, nicht pro Region.
- Anzeigengruppe pro Suchintention (nicht pro Keyword-Liste).
- Landingpage pro Service, nicht eine Homepage für alle.
- Match-Type-Strategie: Exact als Kern, Phrase als Expansion, Broad nur mit Conversion-Signal im Account.
Jede Kampagne, die mehr als eine Intention bedient, lässt sich nicht sauber optimieren — weil die Optimierungen für A der Performance von B schaden.
Warum „Performance Max" das Problem oft verschlimmert
Google drängt seit zwei Jahren auf Performance Max — eine Blackbox, die Search, Display, YouTube und Gmail zusammenwirft. Die Vorzüge sind real: automatisierte Gebotsstrategien, mehr Inventar, weniger Verwaltungsaufwand. Die Kehrseite: weniger Transparenz, weniger Steuerbarkeit, weniger Lerneffekt fürs Team.
Unsere Empfehlung: PMax nur einsetzen, wenn die klassische Search-Kampagne sauber konvertiert. Ohne funktionierendes Conversion-Tracking verfeuert PMax Budget so effizient, wie man sich das nicht vorstellen möchte.
Mindest-Conversions für ML-Bidding
Google empfiehlt offiziell 30 Conversions pro Monat, damit „Target CPA" oder „Maximize Conversions" sinnvoll lernen. Wer weniger hat, sollte bei manuellen CPCs oder „Maximize Clicks" bleiben — alles andere ist Glücksspiel mit Budget.
Der Fokus-Trick: Negatives systematisch pflegen
Negative Keywords sind der einzige Weg, Broad Match in 2026 vernünftig einzusetzen. Wir pflegen pro Kampagne eine negative Keyword-Liste auf drei Ebenen:
- Account-Level: Branchen-unabhängige Ausschlüsse (Jobsuchen, Reparatur, kostenlos, selber machen).
- Kampagnen-Level: Services, die diese Kampagne nicht bedient.
- Anzeigengruppen-Level: Fine-Tuning auf Intention.
Wir reviewen Search Terms mindestens wöchentlich in den ersten 8 Wochen jeder Kampagne. Jeder Suchbegriff, der nicht zur Intention passt, wird negativ gesetzt. Das ist langweilige Arbeit — und der Grund, warum Google-Ads-Accounts überhaupt profitabel werden.
Was saubere Kampagnen an Kennzahlen zeigen
Nach dem Umbau sehen Accounts typischerweise so aus:
- 40–60 % weniger unnötige Klicks (weil weniger off-topic Broad-Match-Trigger).
- Quality Score von durchschnittlich 4–5 auf 7–8 (weil Landing-Page-Relevanz stimmt).
- CPC-Reduktion um 20–35 % bei gleichem Volumen.
- Conversion Rate verdoppelt sich häufig — nicht weil die Anzeigen besser sind, sondern weil endlich die richtige Landingpage zur Suchintention gezeigt wird.
Fazit: Disziplin statt Automatik
Google Ads hat nie aufgehört, ein Hebel für datendisziplinierte Teams zu sein. Die Automatisierung der letzten Jahre hat den Eindruck erweckt, man müsse nichts mehr tun — das Gegenteil ist wahr. Je mehr Google automatisiert, desto wichtiger wird die saubere Struktur im Hintergrund: klare Kampagnen-Abgrenzung, saubere Tracking-Signale, diszipliniertes Negative-Management.
Wer sich diese Hausaufgaben spart, zahlt sie in Form von verbranntem Budget — manchmal über Monate, oft ohne es zu merken.
Häufige Fragen
Wie viele Google-Ads-Kampagnen braucht ein B2B-Account?
Eine Kampagne pro Service-Cluster ist die Faustregel. Drei Services = drei Kampagnen. Das erlaubt getrennte Budgets, getrennte Optimierung und saubere Auswertung.
Sollte man Broad Match in 2026 noch nutzen?
Broad Match funktioniert in 2026 nur mit ausreichend Conversion-Signal im Account und konsequent gepflegten Negatives. Ohne diese Grundlage ist Exact oder Phrase die sicherere Wahl.
Wann lohnt sich Performance Max?
PMax lohnt sich, wenn Ihr Conversion-Tracking sauber ist, Sie mindestens 30 Conversions pro Monat haben und bereits eine funktionierende klassische Search-Kampagne als Referenz existiert.
Verbrennt Ihr Account Budget?
Ein kostenfreier Ads-Audit mit klarem Maßnahmenplan — wir zeigen, wo Ihr Budget tatsächlich hinfließt und welche Hebel sofort wirken.
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